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(15.11.2021)
Abfallwirtschaft Rems-Murr investiert Millionen in moderne Annahmestellen, verbesserten Service und Nachhaltigkeit

Die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM) macht sich auf neue Wege. Der Kreistag hat in seiner Sitzung am Montag, 15. November 2021 dem vierten Abfallwirtschaftskonzept zugestimmt.

Die AWRM hat sich viel vorgenommen. „Wir wollen die Menschen mitnehmen und Abfallentsorgung einfach und unkompliziert gestalten“ erklärt Landrat Dr. Richard Sigel das 50 Seiten umfassende Werk der AWRM.

Mit der Ausarbeitung des neuen Abfallwirtschaftskonzeptes wird auf die Entsorgungsfragen unserer Zeit reagiert. Trotz Corona haben Verwaltung und Verwaltungsrat sich intensiv ausgetauscht und unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger die Weichen neu gestellt. Im Ergebnis dieses langen und umfangreichen Prozesses sind fünf Handlungsfelder (Abfallvermeidung, Infrastruktur und Entsorgung, Klimaschutz, Gebührensystem sowie Service und Öffentlichkeitsarbeit) entstanden, die mit Zielen und Maßnahmen konkretisiert sind.

Die AWRM investiert in den kommenden Jahren Millionen in mehr Service, eine moderne Infrastruktur und bürgerfreundliche Annahmestellen. „Vier von fünf Euro der zum 1. Januar 2022 anstehenden Gebührenerhöhung gehen allein in dieses Thema“, erklärt Finanzvorstand Marcus Siegel.

„Zahlreiche Annahmestellen sind in die Jahre gekommen und werden den heutigen Anforderungen an eine moderne Abfallwirtschaft nicht mehr gerecht. Dies gilt auch für die Öffnungszeiten, die nicht mehr zum Lebensalltag vieler Menschen passen. Das soll sich mit dem neuen Konzept grundlegend ändern“ so der Landrat weiter.

Schrittweise Erweiterung der Öffnungszeiten

Die Erweiterung der Öffnungszeiten erfolgt schrittweise. Ab dem Jahr 2022 wird die Personalkapazität erhöht, um die neuen Öffnungszeiten zu realisieren. Die Umsetzung orientiert sich zudem an der schrittweisen Modernisierung der jeweiligen Höfe.

„Die Personalsuche ist auch im Bereich der Abfallwirtschaft eine große Herausforderung“, erklärt Vorständin Anika Fritz. „Wir können nicht an allen Standorten gleichzeitig die erweiterten Öffnungszeiten einführen. Das neue Serviceangebot soll zunächst auf den vier Entsorgungszentren (Winnenden, Backnang-Steinbach, Kaisersbach und Schorndorf) sowie auf dem Wertstoffhof Waiblingen umgesetzt werden.

Wertstoffhöfe werden neu ausgerichtet

Das neue Abfallwirtschaftskonzept sieht eine Reduzierung der Wertstoffhöfe im Kreisgebiet vor. „Wir nehmen nichts weg, sondern wir richten uns neu aus“, ist Landrat Dr. Sigel bei der Diskussion um Standortschließungen wichtig. „Wir haben auf unseren Annahmestellen zunehmend rechtliche Vorgaben, mit denen wir Schritt halten müssen“ ergänzt Projektleiter Dr. Lutz Bühle. Hinsichtlich der zukünftigen Anlagen und deren Standorten wurde eine Auswahl getroffen, die eine qualitative Aufwertung der Annahmestellen und eine gute Erreichbarkeit in Einklang bringen soll. „Erst die Praxis wird zeigen, ob für alle Gebiete im Landkreis diese Zielstellung erreicht werden kann“ erklärt Bühle, der ab 1. Januar 2022 als Vorstandsmitglied den Bereich Technik bei der AWRM verantworten wird. Die Standortauswahl ist als ein dynamisches Konzept aufzufassen, an dem punktuell auf Basis der Praxiserfahrung nachgesteuert werden kann.

Umwelt- und Klimaschutz sollen noch konkreter werden

Klimaschutz ist ein Querschnittsthema, das bereits heute in vielen Wirtschaftsbereichen der AWRM eine bedeutende Rolle spielt. Als hundertprozentiges Tochterunternehmen des Landkreises sind die Bemühungen der AWRM ein Baustein der zahlreichen Aktivitäten des Landkreises im Klimaschutz.

Auf lokaler Ebene hat die AWRM in den vergangenen Jahren durch den Bau von technischen Anlagen massiv in den Klimaschutz investiert. Auf sieben PV-Anlagen mit einer Leistung von annähernd 1 MW wird regenerativer Strom erzeugt. Auch das Deponiegas wird genutzt, in dem daraus Strom und Wärme gewonnen wird.

Auf der bereits stillgelegten Deponie „Eichholz“ bei Winnenden steht ab dem Jahr 2023 der Bau der Oberflächenabdichtung an, der die Rekultivierung der ehemaligen Deponie und auch die Neugestaltung der infrastrukturellen Einrichtungen miteinschließt. Im Zuge der Neugestaltung der Deponieoberfläche ist unter anderem vorgesehen, Habitate für den Artenschutz anzulegen. Ein wichtiger Baustein der neuen Deponienutzung soll zudem die Errichtung von Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarer Energie sein.

Verbot von kompostierbaren Kunststoffbeuteln in der Biotonne

Kompostierbare Biomüllbeutel aus Kunststoff sind im Rems-Murr-Kreis, wie bereits in vielen Städten und Landkreisen Deutschlands, ab dem 1. Januar 2022 von der Verwendung in der Biotonne ausgeschlossen. Dieses Verbot haben Verwaltungsrat und Kreistag mit der Änderung der Abfallwirtschaftssatzung nun verankert.

Denn zum Teil werden die kompostierbaren Biomüllbeutel an der AWRM eigenen Biovergärungsanlage in Backnang-Neuschöntal im Zuge der Vorsortierung bereits ausgesondert, da sie sich im großen Bioabfallhaufen praktisch nicht von normalen Plastiktüten unterscheiden und damit in der Müllverbrennung landen. Kleinteilige Kunststofffragmente, die nicht aussortiert werden können und die Vergärungsanlage durchlaufen, brauchen zudem viel zu lange für die Zersetzung und müssen aufwendig aus dem Kompost gesiebt werden.

„Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit sind für die Vermeidung von Abfällen von entscheidender Bedeutung“ ergänzt Vorständin Anika Fritz. Zum Serviceangebot der AWRM zählt daher auch die Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger. Durch gezielte Kampagnen möchte die AWRM in Zukunft die Menschen im Landkreis beim Vermeiden, Trennen und Verwerten von Abfällen noch mehr unterstützen, um die täglich anfallenden Abfallmengen in den privaten Haushalten zu verringern.

Änderung der Abfallwirtschaftssatzung

Mit dem Beschluss des Kreistages steht nun auch fest, dass die Grundgebühr um 5 Euro moderat angepasst wird. Die Gebühren für Müllmarken bleiben erfreulicherweise stabil. Die Jahresgebühr für einen Vier-Personen-Musterhalthaushalt mit Rest- und Biomülltonne erhöht sich insgesamt somit um 3,6 Prozent auf 143 Euro.

Trotz der Erhöhung liegt der Rems-Murr-Kreis knapp 17 Prozent unter dem Landesdurchschnitt in Baden-Württemberg. Durchschnittlich 171,64 Euro müssen die Bürgerinnen und Bürger im Land für das Jahr 2021 bezahlen. Landesweit sind die Gebühren um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. „Wären die Abfallgebühren im Rems-Murr-Kreis seit 2005 entsprechend der Inflationsrate gestiegen, müssten die Bürgerinnen und Bürger mit fast 172 Euro rund 25 Prozent mehr für ihre Abfallentsorgung bezahlen. Für die Abfallentsorgung in den Jahren 2022/2023 bezahlen die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis aber nur 4,4 Prozent mehr wie vor 17 Jahren“, ergänzt Finanzvorstand Marcus Siegel.

Das Abfallwirtschaftskonzept ist auf der Homepage der AWRM abrufbar.

(19.10.2021)
Beratung des Abfallwirtschaftskonzept im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Rems-Murr-Kreises

Nach den Beratungen zu dem ersten Entwurf der redaktionellen Fassung des Abfallwirtschaftskonzepts im AWRM-Verwaltungsrat befasst sich am 25.10.2021 der Umwelt- und Verkehrsausschuss mit dem Konzept. Der Entwurf ist hier abrufbar. Der Beschluss des Abfallwirtschaftskonzepts ist für die Kreistagssitzung am 15.11.2021 vorgesehen.


(12.07.2021)
Neue Wege in der Abfallwirtschaft: Aus Ideen werden konkrete Maßnahmen

Ein weiterer Schritt zur Neuausrichtung der Kreislaufwirtschaft im Rems-Murr-Kreis ist getan. Die Handlungsfelder der Abfallwirtschaft hatte der Kreistag bereits beraten: Annahmestellen, Abfallvermeidung, Recycling, Klimaschutz und Gebührensystem. Nun haben sich Vorstand und Verwaltungsrat der Abfallwirtschaft Rems-Murr zu einer zweitägigen Klausur getroffen. Dort wurden konkrete Maßnahmen diskutiert, wie sich das Ziel einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Kreislaufwirtschaft erreichen lässt.

Ansichten der Bürgerinnen und Bürger wurden berücksichtigt

In den Diskussionen haben auch die Ansichten und Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger eine große Rolle gespielt. Dazu wurden die Ergebnisse der Umfrage unter den Nutzerinnen und Nutzern der AWRM-Entsorgungseinrichtungen herangezogen. Insgesamt 3.779 Menschen haben an der Umfrage teilgenommen. Sie fand online vom 12. Mai bis zum 31. Mai statt.

„Abfallwirtschaft betrifft jeden einzelnen Haushalt im Rems-Murr-Kreis. Deshalb war uns die Meinung der Bürgerinnen und Bürger wichtig.  Die AWRM setzt auf eine nutzerfreundliche Abfallwirtschaft. Und auf ein zukunftsorientiertes Konzept, das Nachhaltigkeit und Klimaschutz in den Mittelpunkt rückt. In den Beratungen sind wir diesem Ziel ein ganzes Stück nähergekommen“, so Landrat Dr. Sigel.

Modernisierung der Annahmestellen für Abfälle und Wertstoffe

Einen Schwerpunkt der Beratungen stellte die Modernisierung der Annahmestellen für Abfälle und Wertstoffe im Rems-Murr-Kreis dar. Das Thema war auch den Bürgerinnen und Bürgern in der Umfrage besonders wichtig. Sie äußerten vor allem drei Wünsche:

- längere Öffnungszeiten
- eine zügige Abwicklung
- die Möglichkeit, sehr unterschiedliche Wertstoffe abgeben zu können.

Konkret wurde in den Beratungen der Vorschlag unterbreitet, die Öffnungszeiten der Deponien um rund 35 % zu erhöhen. Die Öffnungszeiten der Recyclinghöfe sollen sogar um 75 % erhöht werden.

Für zwei Deponie-Standorte ist ein Neubau der Wertstoffstation vorgesehen. Das Gleiche ist für mindestens zwei Recyclinghöfe geplant. Durch die Neubauten sollen Abläufe so organisiert werden, dass sich die Wartezeiten spürbar verringern.

Um moderne Annahmestellen bieten zu können, sollen einige kleinere Recyclinghöfe mit benachbarten Höfen zusammengelegt werden. Das hält auch die Gebühren stabil. Dabei wird auf eine gute Erreichbarkeit mit attraktiven Öffnungszeiten geachtet.

Abfallvermeidung und Recycling

Neben der Entsorgung hat die AWRM auch die Abfallvermeidung und das Recycling im Blick. Aufklärungskampagnen sollen die Bevölkerung weiter für das Thema Abfallvermeidung sensibilisieren. Und für die Wiederverwendung von noch gebrauchsfähigen Gegenständen sind Kooperationen mit sozialen Einrichtungen geplant. Zum Beispiel auf den Wertstoffstationen der Deponien Winnenden und Backnang. Hier sollen Abgabe- und Verkaufsmöglichkeiten etwa für gut erhaltene Möbel, Elektrogeräte und Fahrräder geschaffen werden. Dafür will die AWRM die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stellen und mit sozialen Einrichtungen zusammenarbeiten.

Die Umfrage zeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger die Gebrauchtwarenkaufhäuser nutzen wird: 92 % der Teilnehmer an der Umfrage würden dort Waren abgeben. Und 56 % können sich auch vorstellen, dort etwas zu kaufen.

Mit erneuerbarer Energie für den Klimaschutz

89 % der Bürgerinnen und Bürger gaben in der Umfrage ein klares Votum für den Klimaschutz ab. Auch hier möchte die AWRM investieren. Im Bereich der Deponie „Eichholz“ bei Winnenden soll eine große Freiflächenanlage errichtet werden, um Energie aus Sonne zu gewinnen. Und auf der Deponie Backnang-Steinbach soll die Anlage für die Verwertung des Deponiegases neu gebaut werden. So lässt sich das Gas besser verwerten.

Gebührensystem und Digitalisierung

Auch das Gebührensystem kam bei der Klausurtagung auf den Prüfstand. Unter anderem wurden die Vorteile einer Eigentümerveranlagung mit denen einer Haushaltsveranlagung gegeneinander abgewogen. Im Ergebnis soll es bei der bereits bestehenden Haushaltsveranlagung für Privathaushalte bleiben. Die Biomüll- und die Restmülltonnen sollen mit Chips ausgestattet werden. Das erleichtert das Behälter-Management und senkt Kosten. Das zeigen die Erfahrungen anderer Landkreise in Baden-Württemberg, die schon auf die digitale Behältererfassung umgestellt haben. An der grundsätzlichen Struktur der Leerungs- und Jahresgebühr soll jedoch nichts geändert werden. Das gilt auch für die pauschale Gebühr bei der Anlieferung von Sperrmüll-Kleinmengen auf den Deponien. An ihr wird aus zwei Gründen festgehalten: wegen dem Verursacherprinzip und als Anreiz zur Müllvermeidung.

Alle Maßnahmen werden nun weiter ausgearbeitet. Sie münden in das neue Abfallwirtschaftskonzept. Es soll bis Ende des Jahres dem Kreistag zur Beratung und zum Beschluss vorgelegt werden.


(10.05.2021)
Handlungsfelder für das neue Abfallwirtschaftskonzept festgelegt


Nach den Beratungen im AWRM-Verwaltungsrat, Umwelt- und Verkehrsausschuss und Kreistag steht nun fest, in welchen Bereichen der Abfallwirtschaft die Schwerpunkte des neuen Konzepts liegen sollen. Aus einer Analyse des Status-quo der Abfallwirtschaft im Rems-Murr-Kreis wurden viele Fragestellungen und Herausforderungen identifiziert, die für eine Neuausrichtung der Kreislaufwirtschaft relevant sein können.

Auch aus den Kreistags-Fraktionen wurden zahlreiche Vorschläge eingebracht, die in der weiteren Ausarbeitung des Konzepts Berücksichtigung finden sollen. Im nächsten Schritt wird die AWRM zu den festgelegten Handlungsfeldern nun konkrete Maßnahmenvorschläge erarbeiten, die auf einer Klausurtagung mit dem AWRM-Verwaltungsrat Anfang Juli erörtert werden.

In der Zwischenzeit wurden auch die Nutzer*innen der Entsorgungseinrichtungen im Landkreis gezielt über eine Online-Befragung einbezogen. Jede/r Bürger*in war dazu eingeladen, sich an der Umfrage zu  beteiligen, was immerhin fast 4.000 Bürger*innen auch getan haben. Aktuell wird die Umfrage ausgewertet , die Anregungen und Antworten sollen dann in das Konzept mit einfließen.

Folgende Handlungsfelder wurden mit den Kreisgremien erarbeitet und festgelegt:

I.    Abfallvermeidung
II.    Infrastruktur und Entsorgung
III.    Klimaschutz
IV.    Gebührensystem
V.    Service und Öffentlichkeitsarbeit